DE / EN

"Marokko ist ein Paradies auf Erden mit angenehmem Klima, unberührten Stränden, herrlichen Landschaften und uralten Monumenten."

 

Die Schluchten: Dades, Todra, Rheris und Ziz

Vier große Schluchten hat der Hohe Atlas zu bieten, neben unzähligen kleineren. Während die Dades- und Todraschlucht schon lange bekannt sind, war vor allem die Rherisschlucht lange Zeit unbekannt. Und da durch die Zizschlucht eine schnelle Asphaltstraße verläuft, die das Auge nicht zum Verweilen festhält, ist auch diese kaum bekannt. Sie ist allerdings auch die am wenigsten spektakuläre Schlucht.

Eine der häufigsten Fragen von künftigen Marokkoreisenden ist es, welche Schlucht denn nun am schönsten sei, welche sie bei nur knapper Reisezeit auswählen sollten. Bisher war meine Antwort immer, dass Todra sowohl wie Dades ihren ganz eigenen Reiz haben, sehr unterschiedlich sind und eine Auswahl nicht getroffen werden kann.

Nun neige ich aber eher dazu, von der Todraschlucht abzuraten. Die Engstelle ist über eine gute Asphaltstraße durch ein schönes Oasental in nur 15 km zu erreichen, und das führt dazu, dass sie inzwischen total überlaufen ist. Wenn man das Pech hat, um die Mittagszeit anzukommen, stehen vor den beiden Hotels kurz vor der Engstelle gut mal 5 bis 10 Reisebusse geparkt, von den unzähligen Geländewagen von Touranbietern ganz zu schweigen. Sie kommen meist nur zum Mittagessen, die Insassen wagen sich zu Fuß nur wenige Meter in die Schlucht hinein, wenn man also weiter auf der guten Asphaltstraße nach Tamtatouchte fährt hat man die schöne Landschaft für sich allein.

Ganz anders dagegen die Dadesschlucht. Um die erste Engstelle zu erreichen, muss man 27 km fahren, und dann geht es in engen, wirklich atemberaubenden Serpentinen auf den Berg, bevor eine zweite Engstelle erreicht wird. Diese Steilstrecke ist für Busse sehr schwierig, selbst Grand Taxis lehnen die Fahrt oft ab. Daher wird diese Schlucht von großen Rundfahrtbussen nicht angefahren, zum Glück, könnte man sagen. Hier finden sich nur Individualreisende oder spezialisierte Reiseanbieter, die in kleinen Gruppen mit Geländefahrzeugen reisen und oft auch einen bestimmten Schwerpunkt haben wie Trekking oder Vogelbeobachtung.

Und diese 35 km, bevor man dann wieder umkehren muss, sind so unglaublich schön, sehr viel abwechslungsreicher als die Todra­schlucht. Es geht zunächst durch ein Tal aus roter Erde, mit saftig grüner Oase als Kontrast und wunderschönen Lehmburgen, bevor man dann zum eigenartig geformten Affenfußfelsen kommt. Schon kurz vorher, bei km 14, gibt es eine Stelle, von der aus Wanderungen in eine schöne Schlucht mög­lich sind, die man nur zu Fuß erreicht. Dann führt die Straße bei km 26 hart am Fluss entlang, von dort aus geht ein Fußweg in die tief liegende Dadesschlucht, die man nicht mit dem Auto durchfahren kann. Und die Serpentinenstrecke ist einfach einmalig, von dem Café Timzzillite auf der Höhe hat man eine wahnsinnig beeindruckende Aussicht.

Nach 33 km treten dann die Bergwände eng zusammen, die Straße geht hart am Ufer des Dades entlang und kann nach der Schneeschmelze überflutet sein. Nach dieser Engstelle ist die schönste Passage der Schlucht erreicht und man kann wieder zurück fahren. Die Asphaltstraße endet bei km 60 in Msemrir, weiter geht es dann auf schwieriger Piste, was nur Geländewagen möglich ist. Für diese ist jedoch die Weiterfahrt entweder nach Imilchil oder rüber zur Todraschlucht sehr interessant.