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"Marokko ist ein Paradies auf Erden mit angenehmem Klima, unberührten Stränden, herrlichen Landschaften und uralten Monumenten."

 

Tadelakt und Zellije

Wer sich mit Riads in Marokko beschäftigt, wird schnell über den Begriff Tadelakt stolpern. Der Tadelakt (gesprochen Tade-lakt) ist ein antiker marokkanischer Kalkputz, der Name kommt vom arabischen Wort „dlek“, was soviel wie „massieren, kneten“ bedeutet. Diese ganz spezielle Technik der Kalkverarbeitung hat sich in der Gegend um Marrakech entwickelt, weil dort aufgrund einer geologischen Eigenheit ein ganz eigener Kalk entstanden ist. Tadelakt wird seit Jahrhunderten für Bäder (Hammams), Küchen, als Überzüge für Öfen und – bei dem milden, trockenen Klima ist das möglich – auch für Wasserbecken im Freien verwendet.

Der Tadelakt besteht hauptsächlich aus Kalk und ist in verarbeiteter Form ein wasserfester, jedoch kein wasserdichter Edelverputz, der sich v. a. durch seine glänzende Optik auszeichnet. Diese Art von Verputz eignet sich ob seiner Wasserfestigkeit insbesondere im Nassbereich als Alternative zu Fliesen, bei dem auch die negativen Eigenschaften der Fugen entfallen (z. B. Schimmelbildung). Zudem ist das Material sehr leicht zu reinigen. Mit Wasser abspritzen und mit einem Fenstergummi abziehen genügen, da an der extrem glatten Oberfläche kein Schmutz richtig haftet. Tadelakt ist zwar wasserfest, dennoch aber diffusionsoffen, d.h. es schließt nicht gegenüber Luftfeuchtigkeit und wirkt daher in Verbindung mit einem Lehmkalkputz als Untergrund ausgleichend auf das Raumklima.

Die Grundmasse, das Tadelaktpulver, ist an sich hell gräulich und kann mit Farbpigmenten, die in die nasse Masse vor dem Auftragen eingerührt werden, beliebig gefärbt werden. Auch durch nachträgliches Einstreuen von Pigmentpulver in den noch feuchten Putz an der Wand können Muster oder Farbenspiele verwirklicht werden. Der Tadelakt wird in zwei jeweils 2 mm dicken Schichten auf einen mineralischen Untergrund aufgebracht. Die erste Schicht dient als Grundierung und bleibt ungefärbt und rau. Die zweite Schicht wird geglättet und anschließend, sobald das Material die Konsistenz von Knete erreicht hat, in kleinen, kreisenden Bewegungen verrieben. Dies hat zwei Effekte: Die Poren werden geschlossen, wodurch sich die Wasserfestigkeit ergibt und der Putz beginnt bei mehrmaligem "polieren" mit dem Stein zu glänzen. Während der Putz noch nass ist, wird eine Seife mit einem Pinsel auf den Putz aufgetragen, die mit dem Kalk chemisch zu einer Schutzschicht reagiert, die kleinste Poren verschließt und zusätzlichen Glanz verleiht.

In Marokko wird Tadelakt vor allem in Bädern (Wände, Waschbecken) verarbeitet, findet aber auch z.B. bei Tisch­platten oder Tonvasen Verwen­dung. Die Farbwirkung von Tade­lakt ist nicht gleichmäßig, sondern abhängig von der Verarbeitung. Dort wo das Material stärker ver­dichtet wird, entsteht ein dunklerer, tiefer Farbton. Neu renovierte Riads, aber auch neu im tradi­tio­nellen Stil errichtete Hotels ver­wen­den für ihre Badezimmer häu­fig den Tadelakt-Verputz.

Zellije

Auch Zellije ist typisch für die De­koration von Häusern im tra­ditio­nellen Marokko. Bei den "zellije" handelt es sich um kleine Keramik­steinchen, die zu wundervollen Mo­sa­iken zu­sammengesetzt wer­den, die geometrische Muster dar­stel­len. Die Mosaikwände dienen als Schmuckwerk sowohl in den königlichen Palästen als auch in den Riads und tra­ditionell eingerichteten Wohn­häusern. Gemäß dem traditionellen Her­stellungs­ver­fahren wird der Ton einen Tag lang in Wasser ein­geweicht, gesäubert und an­schließend in Holz- oder Eisenfor­men gefüllt. Die Steinchen werden danach an der Sonne getrocknet und in einem Ofen gebrannt. An­schließend werden sie bemalt und für kurze Zeit erneut gebrannt. Der Ofen wird mit den Rückständen gepresster Oliven geheizt und erreicht eine Temperatur von 900 °C. Sobald die Steinchen gebrannt und wieder abgekühlt sind, wählt der "Mâalem" (Künstler) diejenigen Steine aus, die er für sein Mosaik benutzen will, und bearbeitet sie mit sehr feinem Werkzeug. Das endgültige Puzzle wird auf der Rückseite liegend zusammengesetzt, um den Zement, auf den das Mosaik geklebt wird, auf den Steinchen zu verteilen. Mit diesen Mosaikplatten werden Tische, Fußböden und Wände verziert.