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"Marokko ist ein Paradies auf Erden mit angenehmem Klima, unberührten Stränden, herrlichen Landschaften und uralten Monumenten."

 

Djemaa el-Fna

Ein Stadtrundgang beginnt meist an dem Platz Djemaa el-Fna, der seinen Namen angeblich dadurch erhielt, dass dort früher die Köpfe der Gehenkten öffentlich aufgespießt wurden. Dort liegen mehrere einfache Hotels, von denen aus man wundervoll das Leben und Treiben dieser faszinierenden Welt im Kleinen beobachten kann. Auch auf den Cafés gibt es Dachterrassen, von denen ein Blick (und vor allem Fotos) auf das bunte Spektakel bei Bestellung eines Getränks möglich sind.

Taschendiebe gibt es im Ge­dränge des Djemaa el-Fna wie in allen Groß­städten der Welt. Da­her sollte man Vorsicht wal­ten lassen, keinen Geld­beutel heraus­nehmen, son­dern Kleingeld in der Hosentasche nutzen. Pas­sen Sie auch gut auf Ihr Mobiltelefon auf. Im Notfall findet sich am Rande eines kleinen Parks hinter der Touris­teninformation die Sta­tion der Touris­tenpolizei.

Ein Bummel über diesen Jahr­markt kann sehr anstrengend, bei richtigem Verhalten aber auch sehr angenehm sein. Der ge­schulte Blick des Marrakschi erkennt sofort den unsicheren Fremden und drängt sich - manchmal recht aggressiv - als Führer auf oder verlangt ein Trinkgeld für Fotos, die man gar nicht schießen wollte. Besonders geschäftstüchtig sind die Wasserverkäufer in ihren malerischen roten Gewändern mit dem breitkrempigen Hut und der münzenbesetzten großen Geldtasche aus Leder, die heute ihr Geld nur noch als Fotomodell verdienen. Wer seine Ruhe haben will, lässt Kamera und Handtasche im Hotel und geht nur mit ein wenig Kleingeld in der Hosentasche sicheren Schrittes und gesenkten Blickes über den Platz. Es ist manchmal erstaunlich, wer einem alles etwas zu sagen hat. Wenn man die Anreden einfach ignoriert, geben sie bald auf.

Das Geschehen auf dem Platz ändert sich mit der Tageszeit, ist aber jeden Tag gleich. Am frühen Morgen beginnen als erstes die Betreiber der nummerierten Oran­gen­saftstände am Rand ihre Planen abzudecken. Diese Stände sind die einzigen, die den Platz nie verlassen, köstlich der frischgepresste Saft für wenige Dirham.

Geruhsam fängt der Tag an. Ein Barbier breitet künstliche Gebisse auf einem Tischchen aus, daneben zur Demonstration einen Haufen bereits gezogener Zähne und eine stattliche Sammlung abschreckender Zangen. Ein alter Mann – ein Fkih - setzt sich auf einen winzigen Hocker und klappt einen vielfach geflickten Regenschirm auf. Aber so früh am Morgen findet er noch keinen Neugierigen, der sich die Zukunft aus der Hand lesen lässt oder Beratung bei Problemen sucht.

Ein Mann in blauer Gandora und Turban breitet einen Teppich aus und verteilt darauf die geheim­nisvollsten Dinge: Schlangenhäute, Straußeneier, getrocknete Kräu­ter, Gläser mit undefinier­baren Wundermitteln. Schnell hat er eine aus Männern bestehende Zuhörerschaft, die seinen Be­schwö­rungen und Verspre­chun­gen aufmerksam folgt. Tief ver­schleierte Araberfrauen ver­kau­fen selbstge­fertigte Taschen, Körbe, Untersetzer und Mützen. Am meisten zu tun haben die Schuhputzer um diese frühe Stunde. Musiker klimpern drei Sekunden lang, wackeln dazu mit der Bommel ihrer roten Kappe und schon wird die Mütze fürs Trinkgeld hingehalten. Ein Berber mit Äffchen reicht einer Touristin das Tier, ihr Mann macht ein Foto und schon sind wieder einige Dirham verdient.

Halten Sie sich fern von den ver­schlei­erten Frauen, die mit gezückter Spritze darauf war­ten, Hennah­de­kors auf alle möglichen Kör­per­stellen aufzu­tragen. Sie sind ungeheuer ge­schickt und bevor man sich’s versieht, hat man ein Muster auf Arm oder Hand, auch wenn man das nicht wollte. Und dann wird ziem­lich aggressiv Geld verlangt. Echtes, grü­nes Hennah be­nötigt einige Stunden, bis die Farbe auf der Haut einzieht und haftet, erzeugt außerdem eine rötliche Farbe. Um schnellere Haftung und eine dunkle Farbe zu erhalten wird Para-Phenylendiamin (PPD) beige­mischt. Dies kann allerdings aller­gi­sche Re­aktionen und auch Entzündungen hervorrufen. Gegen Aufpreis ist eine bessere Hennahqualität verfügbar.

All die Gaukler, Märchenerzähler, Mu­siker, Schlangen­beschwörer, Zau­be­rer und Wahr­sager sind keine eigens für Touristen geschaf­fe­ne Attraktion. Von al­ters her dienten sie den Nomaden, die von weit her zu den Märkten gekommen waren, und Karawa­nen, die nach vielen Wochen in der glutheißen Sahara endlich am Ziel angekommen waren, als einzige Unterhaltung in einem arbeitsreichen Leben. Auch heute noch sind trotz vieler Touristen mehr Einheimische unter den Besuchern. Das merkt man besonders am Abend. Da werden aus allen Richtungen Tische, Bänke, Feuerstellen, Kochtöpfe, Berge von Brot und Süßigkeiten herangekarrt. Köstlichkeiten wie gebratener Fisch, gegrillte Merguez-Würstchen, goldfarbener Couscous, gekochte Schnecken und Hammelköpfe oder die Fasten­suppe Harira verführen mit ihrem Duft, aber es liegt auch eine dicke Qualmwolke über dem Platz. Einmal zumindest sollte jeder Besucher die Gerichte auf dem abendlichen Djemaa el-Fna kosten. Immer günstig und meist gut. Doch Vorsicht, diese Köche sind gute Psychologen und erkennen den unbedarften Neuling recht schnell. Man will eigentlich nur eine Harira, bekommt aber ein volles Menü mit Tee und Nachtisch serviert. Bestehen Sie darauf, nur wirklich das Gewünschte zu bekommen und zu bezahlen.