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"Marokko ist ein Paradies auf Erden mit angenehmem Klima, unberührten Stränden, herrlichen Landschaften und uralten Monumenten."

 

Als Frau allein unterwegs

Seit Jahren fahre ich allein nach Marokko und bekomme immer wieder den erstaunten Ausruf zu hören: „Allein? Wie mutig! Das ist doch viel zu gefährlich. Und langweilig."

All das stimmt nicht. In Marokko sind die Gefahren nicht größer als anderswo, die Schauermärchen von Frauen, die im Gewirr der Medina verschwinden, beruhen nicht auf Tatsachen. Die Marokkaner sind direkter, offener als Westeuropäer. Es ist nicht ungewöhnlich, dass mich ein Mann - sei es ein Polizeibeamter bei einer Straßenkontrolle oder ein Bankbeamter, mit dem ich beim Geldwechseln geplaudert habe - fragt: „Wollen Sie die Nacht mit mir verbringen?" Und wenn man auf eine so direkte Frage ebenso offen „nein" sagt, fragt man zwar „warum nicht", und es entsteht vielleicht noch eine Diskussion um die unterschiedlichen Frauen in Marokko und in Europa, aber die Ablehnung wird akzeptiert. Niemals habe ich erlebt, dass Gewalt eingesetzt wurde, Charme schon eher. Und wie sagte einmal ein Schiffsoffizier zu mir: „Wenn ein Mann sich eine Weile mit einer Frau unterhält und er macht ihr kein Angebot, dann muss sie sich doch für unattraktiv halten!"

In der Kleidung sollte man sich jedoch etwas zurückhaltend zeigen. Mit knappen Shorts und winzigen Tops fordert man die Belästigung geradezu heraus, das Gerücht von der Touristin, die nur der sexuellen Abenteuer wegen ins Land kommt, ist weit verbreitet. Keine Europäerin muss sich verschleiern, aber den Sitten des jeweiligen Ortes etwas anpassen. In Agadir ist offenherzige Kleidung noch geduldet, in Dörfern und vor allem im Fastenmonat Ramadan eine Herausforderung.

Und langweilig ist es auch nicht. Wohin ich auch komme, man ist interessiert, erkundigt sich nach dem Woher und Wohin und führt gerne Diskussionen über Europa. In keinem europäischen Land ist es so einfach, Kontakt zu den Menschen zu bekommen. Und als Frau hat man auch Zugang zu den Geschlechtsgenossinnen, die mich gerne in ihr Haus einladen, obwohl wir uns in dörflichen Gegenden nur mit Zeichen verständigen können.

Doch manchmal ist eine Frau in ihrer Bewegungsfreiheit schon etwas eingeschränkt oder muss sehr starke Nerven haben. Bei einem abendlichen Stadtbummel in Fes, zugegebenermaßen war ich das einzige weibliche Wesen weit und breit, suchte jeder zweite Mann das Gespräch mit mir, obwohl ich es strikt vermied, jemanden anzusehen. Das beginnt mit einem bonjour, ça va, und wenn ich nicht antworte, kommen oft Beschimpfungen wie Rassist und Jude. In kleineren Orten passiert das aber weniger.